Internet ist nur ein Hype – Hinterher ist man immer schlauer

Das Web 2.0 ist in aller Munde. Ganz fortschrittliche Zeitgenossen kündigen auch gerne schon mal das Web 3.0 an, ohne zu wissen, was das eigentlich sein soll. Egal, welchen Namen wir dem Baby geben, eins ist klar: Es tut sich was im Internet. Dabei teilen sich die Meinungen in zwei Lager. Dem Welche-Sau-treiben-wir-heute-durchs-Dorf-Bündnis steht die Das-haben-wir-noch-nie-gebraucht-und-werden-es-auch-nie-brauchen-Fraktion gegenüber.

In den letzten 150 Jahren hat sich die Technik in einem rasanten Tempo weiterentwickelt. Noch nie in der Geschichte der Menschheit gab es so viele Erfindungen, die so schnell wieder durch noch bessere Neuerungen abgelöst wurden. Und immer wieder gab es Skeptiker. Und so verwundert es nicht, dass auch heute Fragen laut werden, ob man denn nun wirklich dieses Twitter-Dings braucht, was denn bitteschön an Social Media so toll ist und wie lange es wohl dauert, bis sich der Blogger-Hype im Sand verläuft.

Nicht neues. Das zeigt ein Blick zurück:


"Das Telefon hat zu viele ernsthaft zu bedenkende Mängel für ein Kommunikationsmittel. Das Gerät ist von Natur aus von keinem Wert für uns."

Manager von Western Union, 1876

"Eine erstaunliche Erfindung. Aber wer sollte sie jemals benutzen wollen."
US-Präsident Rutherford B. Hayes zum ersten Telefon, 1877

"Das Telefon wird für den Verkehr in Städten und zwischen benachbarten Ortschaften große Dienste leisten. Aber ebenso wenig, wie es auf ganz kurzen Entfernungen das Sprachrohr verdrängen wird, wird es für größere Entfernungen den Telegrafen ersetzen können."
Werner von Siemens, 1878

"Die drahtlose Musikbox hat keinen denkbaren kommerziellen Wert."
Ein potenzieller Investor zur Erfindung des Radio in den 1920ern.

„Auf das Fernsehen sollten wir keine Träume vergeuden, weil es sich einfach nicht finanzieren lässt."
Lee De Forest, Vater des Radios, 1926

„Wer zum Teufel, will denn Schauspieler sprechen hören?"
Harry Warner, Mitgründer von Warner Brothers zum Tonfilm, 1927

„Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt."
Thomas Watson, IBM-Vorsitzender, 1943

"Die Menschen werden sehr bald müde sein, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren."
Darryl F. Zanuck, Chef von 20th Century Fox, über den Fernseher, 1946

"Wir sind 60 Jahre ohne Fernsehen ausgekommen und werden es weitere 60
Jahre tun."
Avery Brundage, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, 1960

"Es gibt keinen Grund, warum irgendjemand einen Computer in seinem Haus wollen würde."
Ken Olson, Präsident, Vorsitzender und Gründer von Digital Equipment Corp., 1977

"E-Mail is a totally unsaleable product."
Ian Sharp, Sharp Associates, 1979

"Wer braucht eigentlich diese Silberscheibe?"
Philips-Vorstand Jan Timmer zur Erfindung der CD, 1982

"Internet ist nur ein Hype."
Bill Gates 1995

Tja, erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Wir können nicht wissen, welche Potentiale in neuen Techniken stecken. Aber wer sich nicht auf darauf einlässt, wird es nie zu spät erfahren. Oder mit den Worten von Michail Gorbatshow: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben"


Ausschnitt: Simpsons – Die japanische Horror-Spiel… – MyVideo

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  1. Das Zitat von Bill Gates ist frei erfunden und kompletter Bloedsinn.

    Am 26. Mai 1995 hat Bill Gates konzernweit ein Memo mit dem Titel "Die Internet-Flutwelle" verbreitet, in welchem er anprangert dass Microsoft die Wichtigkeit des Internet bisher vernachlaessigt hat, und grossen Rueckstand aufzuholen hat um gegen neue Mitbewerber wie Netscape zu bestehen. Er bezeichnet das Internet als fuer Microsoft "von allerhoechster Prioritaet" (sinngemaesse Uebersetzungen). Noch im August des selben Jahres ging das "Microsoft Network" MSN online. Das sind einfach recherchierbare und durch zahlreiche Quellen belegte Fakten. Nun soll mir mal einer erklaeren wie es dann moeglich sein soll, dass Bill Gates noch 1995 das Internet nicht "kommen sehen" haben soll.

    Vermutlich von einem ach-so-hippen Anti-Microsoftler ausgedacht, und von weiteren genauso hippen Anti-Microsoftlern weiterverbreitet, weil es so lustig ist dass es nicht mehr interessiert ob es ueberhaupt wahr ist. Das selbe gilt fuer das auch so gerne verbreitete 1981er-Bill-Gates-Zitat dass "640kB fuer alle genug sein sollten", welches auch gar kein Bill-Gates-Zitat ist. Im Gegenteil hat sich Microsoft waehrend der Entwicklung des IBM PC immer genau gegen solche Limitierungen stark gemacht, konnte sich gegen IBM aber nicht durchsetzen. Die Erhoehung der urspruenglich geplanten Limitierung von 512kB auf 640kB war alles, was sie durchsetzen konnten.

    Das laesst ueber den Wahrheitsgehalt der restlichen Zitate auch Vermutungen anstellen.

    Kommentar von Daniel, 12. Januar 2011, 14:23 Uhr
  2. Gleich noch zu einem zweiten "Zitat", demjenigen von Ian Sharp 1979 zur E-Mail:

    Das RFC-Dokument des ersten wirklichen Mail-Protokolls SMTP (RFC 821) wurde 1982 publiziert. Damals wurde noch nicht einmal der Begriff "e-Mail" verwendet. Ich halte es daher fuer aeusserst unwahrscheinlich dass sich jemand bereits 1979, besonders in dieser "visionaeren" Wortwahl, zum kommerziellen Potential geaeussert haben soll

    Kommentar von Daniel, 12. Januar 2011, 14:32 Uhr
  3. Hi Daniel,
    danke für dein Feedback. Erinnerst du dich an Herr der Ringe? "Was nicht vergessen werde durfte, wurde vergessen, [..] wurde Mythos [...] wurde Legende." Leider ist der Autor des Artikels nicht mehr bei conception, sonst könnte er selbst erklären, wo er die Zitate recherchiert hat. Im Grunde ist die Aussage aber klar: Selbst wichtige Internetmacher liegen bei ihren Prognosen oft daneben.

    Kommentar von Sean Kollak (Projektmanager Online), 1. Februar 2011, 09:19 Uhr

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