Streitgespräch über Freundschaften in Sozialen Netzwerken

Welche Web 2.0-Strategie ist besser: ein möglichst großes soziales Netzwerk aufbauen oder die virtuellen Freunde mit Bedacht auswählen? Zählen im Netz die gleichen Prinzipien wie in der realen Welt? Was sind die Unterschiede zwischen virtuellen Freundschaften und wahren Kühlschrankberechtigten?

Ein Streitgespräch in Kommentaren, bei dem jeder mitdiskutieren kann sollte…

  1. Dass ein gravierender Unterschied zwischen virtuellen Kontakten und echten Freunden besteht, ist doch wohl klar. Darum kann man online auch machen, was man will bzw. was den größten Nutzen für die eigene Profilierung bringt. Informationsmüll am laufenden Band produzieren, automatisiert anderen Nutzeraccounts followen und dann die eigene Online-Identität an den meistbietenden Verkaufen. So hat es Deutschlands Vorzeige-Blogger Robert Basic mit dem Basic Thinking Blog und seinem Twitter-Profil @robgreen vorgemacht. Soziale Netzwerke sind nur Mittel zum Zweck wie Robert Basic im Interview mit den Blogpiloten unmissverständlich klar macht.

    Kommentar von Sean Kollak (Corporate Blog Manager), 19. Januar 2010, 11:52 Uhr
  2. Und genau dieser Zweck erschließt sich mir nicht. Wenn ich Leute, mit denen ich einmal E-Mail-Kontakt hatte, zu meinem Netzwerk hinzufüge, warum dann nicht auch die nette Dame, die heute an der Käsetheke vor mir stand. Logische Konsequenz dieser Viel-hilft-viel-Taktik: Jeder Mensch ist bald zu unserem Netzwerk hinzugefügt. Und zwar bei jedem! Demnach wäre das mächtigste Werk des Netzwerkens wohl das Telefonbuch. Hier finden wir schon heute jeden, der jemanden kennt, der jemanden kennt,…

    Kommentar von Markus Möller, 19. Januar 2010, 11:54 Uhr
  3. Alles Käse. Echtzeit-Web gehört, Herr Kollege? Wie willst du den auf dem Laufenden bleiben mit deinen von Hand ausgewählten und TÜV-geprüften Kontakten? Sieh es ein: Viel hilft viel. Selbst die New York Times beschreibt den Hauptvorteil von Twitter als ein Verbundensein mit den gesammelten Stimmen der Nutzer: “listening to a wired collective voice”.

    Kommentar von Sean Kollak (Corporate Blog Manager), 19. Januar 2010, 11:55 Uhr
  4. Da halte ich meine Kontakte doch lieber klein. Dafür aber qualitativ hochwertig. Hochwertig soll dabei keinesfalls bedeuten, dass manche Menschen wertvoller sind als andere. Die Beziehung zu ihnen ist es aber gleichwohl. Menschen in meinem Netzwerk kann ich anrufen und mit einem "Hallo, hier ist der Markus" ein nettes Gespräch anfangen. Ich kenne diese Leute. Weil ich sie bereits persönlich getroffen haben oder auf elektronischem Wege mit ihnen zusammengearbeitet habe. Ihnen tue ich gerne einen Gefallen und kann mir sicher sein, auch auf deren Hilfe zählen zu können. Ob ich das bei einer Du-hast-vor-4-Jahren-mal-ein-Kommentar-in-meinem-Blog-geschrieben-Bekanntschaft kann, wage ich zu bezweifeln.

    Kommentar von Markus Möller, 19. Januar 2010, 11:56 Uhr
  5. Stöhn. In erster Line geht es in den Social Networks doch gar nicht um Gefallen oder Gespräche, sondern darum gehört zu werden. Um Einfluss. Um Selbstdarstellung. Wer die neuesten Informationen zuerst unters Volk bringt, dem sind eine hohe Reputation und zahlreiche Barack Obama. Er hat ganz bewusst auf eine Social Media Strategie gesetzt, die darauf abzielte, viele Leute im Netz um sich zu scharen. Natürlich sind diese über 3 Millionen Twitter-Follower von Barack Obama nicht wirklich seine Freunde – aber dennoch hat er mit ihnen den erfolgreichsten Wahlkampf aller Zeiten bestritten.

    Kommentar von Sean Kollak (Corporate Blog Manager), 19. Januar 2010, 11:56 Uhr
  6. Stopp, Stopp, Stopp! Die Vorstellung „gandenlose Selbstdarstellung = Networking“ wird hier ja durch eine noch viel größere Geistes-Diarrhoe übertroffen. Nämlich dem Irrglauben, dass es sich bei Twitter um ein Social Network handelt. Twitter ist sinnvoll. Aber halt als Nachrichtendienst. Hier kann ich völlig Fremden zuhören und gleichzeitig meine Stammtisch-Kumpels links liegen lassen. Ein Folgen auf Twitter ist kein Kontakt, sondern vielmehr ein Fanclub.
    Und auch hier ist es wie im wahren Leben. Können Mitglieder im Michael-Schumacher-Fanclub sagen „Wat, du willst nach Monacco? Ich ruf mal den Mischael an. Der macht dat klar.“ Nein, natürlich nicht! Weil sie eben nicht zum Netzwerk von Herrn Schumacher gehören. Allerdings können sie Vereinskollege Hans-Jürgen fragen, wenn sie jemanden brauchen, der ihr Badezimmer fliest – und zwar schwarz. Das ist die Macht von Netzwerken.
    Was im realen Leben jeder nachvollziehen kann, kann doch auch auf Internet-Verklüngelungs-Plattformen nicht anders sein. Diese Tatsache kann allenfalls von narzisstischen Second-Life-Nerds im digitalen Schwanzvergleich bezweifelt werden.

    Kommentar von Markus Möller (Web- und Software-Entwickler), 19. Januar 2010, 11:57 Uhr
  7. Also ich sehe twitter auch ganz klar als kurzweilige Unterhaltung. Bei Xiing und Facebook usw. habe ich defintiv nur Leute drin die ich persönlich schon länger kenne.

    Zum Thema Obama: Klar hat das gut funktioniert, aber es ist doch traurig wenn wir nach twitter followern wählen. Außerdem geht es den meisten Menschen bei der Nutzung von solchen Communities doch darum in Kontakt zu bleiben. Natürlich gibt es wirtschaftliche Faktoren, aber man wird aus dem "Kein Bock auf Internet bloggen ist Mist" Menschen nicht den #1 Twitter Facebook UberPro machen. Man sollte generell internetaffin und extrovertiert sein.

    Kommentar von Danny Faak, 19. Januar 2010, 12:33 Uhr
  8. @Danny Faak Beides stimmt: Es geht darum, bestehende Kontakte zu pflegen (bzw. aufzufrischen), aber auch darum neue Kontakte zu schaffen.

    Kommentar von Sean Kollak (Corporate Blog Manager), 19. Januar 2010, 12:39 Uhr
  9. Wobei man hier schauen sollte das man sich nicht übervernetzt. Ich finde es unglaubwürdig wenn ich Facebook Leute mit 10k Kontakten sehe. Das richtige Maß ist die Frage.

    Gerade diese Kommentarlosen Anfragen von Leuten die ich garnicht kenne lehne ich grundsätzlich ab. Auf der anderen Seite hat man natürlich schon über Ecken mit anderen zu tun, wie in diesem Fall.

    Kommentar von Danny Faak, 19. Januar 2010, 13:10 Uhr
  10. Ich nutze ebenfalls Netzwerke wie Facebook, Xing, Wer-kennt-wen, … Hier vernetze ich mich bzw. kenne ich nur Leute, die ich auch im wahren Leben persönlich kenne – den einen mehr, den anderen weniger.
    Auf jeden Fall habe ich mit den Leuten schon einmal auf irgendeine Weise kommuniziert (persönlich oder per E-Mail). Eine Anfrage von jemandem den ich nicht kenne, mit dem ich noch nie irgendetwas zu tun hatte, lehne ich grundsätzlich ab.
    Mir ist es wichtig wen ich kenne und nicht wie viele Leute ich kenne!
    Mit Twitter tue ich mich grundsätzlich schwer, da es mich überhaupt nicht interessiert, ob Demi Moore beim Zahnarzt war oder irgendjemandem auf der Welt der Waschlappen vom Haken gefallen ist.
    Ich bin sehr froh, dass man immer noch selbst entscheiden kann, welchen Trend man mitmacht und welchen nicht.

    Kommentar von Sandrina Reichel (Webdesign und -Entwicklung), 19. Januar 2010, 15:21 Uhr
  11. @sandrina Aber was, wenn der Haken von einem bestimmtern Hersteller ist? Plötzlich hat der eine Qualitätsdiskussion und merkt nichts davon.
    Anderes Szenario: Plötzlich melden ganz viele Nutzer, dass die Waschlappen von der Wand fallen. Handelt es sich vielleicht um ein Erdbeben-Frühwarnsystem? Bevor du lachst – klick mal auf den Link.

    Kommentar von Sean Kollak, 19. Januar 2010, 15:36 Uhr
  12. Twitter wird meist mißverstanden. Viele schreiben wirklich kurzweilige und interessante Dinge, ohne in das "Esse gerade ein Marmeladenbrot" Klischee zu verfallen.

    Und Sean hat Recht, es ist doch wirklich der PR technische Tod wenn man sich in den Medien in denen Meinungsführer agieren nicht beteiligt und somit die Chance verpasst werbewirksam und krisensicher einzugreifen.

    Privat ist es was anderes. Die Frage ist für mich: In wie fern differenzieren wir zwischen dem privaten Gebrauch und dem Geschäftlichen?

    Ich könnte da garkeine Grenze ziehen, da ich als Selbstständiger ja eh ein und der selbe bin.

    Daher interessiert mich zum Beispiel auch die Ganze Datenschutzgeschichte nicht: Meine Kontodaten, Telefonnummer usw. steht alles auf meine HP, und ebenso in jedem anderen Medium – geht und soll garnicht anders!

    Kommentar von Danny Faak, 19. Januar 2010, 15:42 Uhr
  13. @Sean
    Das sollte dann den Hakenhersteller interessieren – vorausgesetzt er hat einen Twitter-Account und bekommt das "Debakel" mit. Ansonsten können sich die Twitteraner so viel darüber austauschen, wie sie wollen.
    Ich persönlich würde mich direkt an den Hersteller wenden und ihm meinen Unmut über den kaputten Haken mitteilen und dies nicht in die weite Welt kommunizieren. Bringt mir im schlimmsten Falle nicht wirklich was.
    Ich will damit nicht sagen, dass alles, was über Twitter kommuniziert wird, schlecht ist, aber es gibt nur wirklich wenig Sinnvolles und Interessantes, was getwittert wird – und das muss man erstmal finden.

    Kommentar von Sandrina Reichel (Webdesign und -Entwicklung), 19. Januar 2010, 15:58 Uhr
  14. @DannyFaak Du sprichst ein wahres Wort gelassen aus. Wo zieht man die Grenze zwi. Privatem und Beruflichem? Diese Grenze verwischt zusehends. Außerdem werden Soziale Netzwerke zu unterschiedlichen Zwecken genutzt. Xing und LinkedIn für berufliche Kontakte, Facebook für Freude weltweit, Wer-kenn-wen für die Leute aus dem Heimatdorf und Twitter für den Rest der Welt und alles drumherum.

    Kommentar von Sean Kollak (Corporate Blog Manager), 19. Januar 2010, 16:15 Uhr
  15. @Sean bei mir läuft geschäftlich zum Beispiel mehr über Facebook. Auch auf der Cebit letzten Jahres habe ich mehr Kontakte bei Facebook generiert als bei Xiing.

    Ist der Messekontakt jetzt als "richtiger Kontakt" zu sehen, nur weil man auf dem Stand sprach und sich abends beim essen sah und / oder irgendwo an der Theke? Ich denke ja, weil ich diesen Menschen kenne, ich habe ja auch seine Visitenkarte in meiner Mappe. Aber natürlich ist es ein flüchtiger Kontakt: Kann sein das ich nie wieder mit im schreibe usw.

    Kommentar von Danny Faak, 19. Januar 2010, 16:34 Uhr
  16. Und genau deshalb, weil ich ihm nie wieder schreibe, gehört er nicht in mein Netzwerk. In meine Mappe mit Visitenkarten vielleicht, aber bestimmt nicht zu meinen XING-Kontakten.

    Der Grund dafür ist der, dass auch andere meine Kontakte sehen und diese Information gerne nutzen dürfen. So kann mich jeder ansprechen, mit der Bitte, dass ich ihm Herrn X oder Frau Y aus meinem Netzwerk vorstelle. Denn genau dadurch wird das Netzwerken ja erst richtig sinnvoll. "Aha, du kennst jemanden, den ich gerne kennenlernen würde. Leg doch mal ein gutes Wort für mich ein."

    Bei diesen sehr, sehr flüchtigen Kontakten kann die Antwort nur ein "Ähm, eigentlich kenn ich den gar nicht" sein. Nicht besonders hilfreich, oder?!

    Kommentar von Markus Möller (Web- und Software-Entwickler), 19. Januar 2010, 16:41 Uhr
  17. @Markus Du hast recht – und trotzdem muss ich wiedersprechen.
    Robert Basic hätte für seinen Blog und Twitter-Account niemals die Summen erhalten, wenn er nur 10 Follower gehabt hätte. Reichweite ist und bleibt ein wichtiges Kriterium. Ich sage nur: "The Strength of Weak Ties". Das ist der Grundgedanke des Social Web. Angeblich.

    Kommentar von Sean Kollak (Corporate Blog Manager), 19. Januar 2010, 16:46 Uhr
  18. Schwierig da zu unterscheiden.

    Ich denke mal du würdest ja eh anfragen "Woher kennst du den denn?" und dann hättest du deine Antwort.

    Twitter muss man da ja eh außen vorlassen.

    Ich hab jemanden auf Facebook geaddet aus Herborn, kannte den da kaum. (Bin neu nach Herborn gezogen.). Schreibe jetzt aber laufen hin und her mit dem, und es ergeben sich synergieffekte. Nach deiner Logig hätte ich den garnicht aufgenommen: Hab ihn ja nur einmal auf ner Hochzeit gesehen. Aber genau dadurch haben wir uns vernetzt.

    Eventuell wäre es gut wenn man die Stärke der Vernetzung angeben könnte, und nicht nur deren bloße Vorhandenheit.

    Kommentar von Danny Faak, 19. Januar 2010, 16:47 Uhr
  19. @Sean: Die Frage ist ja auch, war es für Robert Basic sinnvoll den twitter Acc zu versemmeln: Ich wäre direct auf unfollow gegangen.

    Ich finde diese entwicklung schlimm: Ich folge dem Menschen, nicht dem Account. Wie Cluetrain es einst sagte … http://www.cluetrain.de/

    Letzendlich hat er ja nicht den Account, sondern seine Follower verkauft. Und das ist für mich PR technisch suboptimal. Klar lief es mit dem BT-Blog genauso, aber es ist seltsam.

    Kommentar von Danny Faak, 19. Januar 2010, 16:50 Uhr
  20. Ich denke man sollte einfach beide Wege Sinnvoll nutzen. Die grenzenlosen massenkontakte über Twitter und Konsorten sowie auch die eigene persönliche Kunden/Bekanntes/Freunde Liste.

    Ich gehe auch diesen Weg und bin damit bisher zufrieden.
    Auch wenn ich bei Twitter nicht jede Sekunde 5 Tweets mitverfolge.

    Kommentar von Lucas, 24. Januar 2010, 23:36 Uhr
  21. Ich schließe mich an sich Lucas an.

    Mann muss schlichtweg, wie im wahren Leben, unterscheiden.

    Kommentar von Danny Faak, 24. Januar 2010, 23:58 Uhr
  22. Eine Frage die sich mir daraus ergibt ist: Wann und wie helfen SocialNetworks: Kann der Metzger seiner Mittagstische auf twitter vermarkten?

    Hab mal was nen Beitrag gestartet auf http://mangotreemarketing.de/?p=60

    Kommentar von Anonymous, 25. Januar 2010, 00:20 Uhr
  23. Mist hab den letzten anonym gepostet. Wär toll wenn wir die beiden Stränge dann zu einem langen trackbacken könnten. :)

    Kommentar von Danny Faak, 25. Januar 2010, 00:25 Uhr
  24. Interessant zur Diskussion ist auch der aktuelle Beitrag bei Mashable über Facebook-Freundschaften. Nach Dunbars Nummer kann unser Hirn nur 150 Freunde verarbeiten.

    Kommentar von Sean Kollak, 25. Januar 2010, 10:30 Uhr
  25. Ich sehe in einem Blog ein sehr gutes Mittel zur Öffentlichkeitsarbeit. Allerdings kann man einen solchen Blog auch hervorragend dafür benutzen, um ein bestimmtes Produkt oder auch eine Aktion, die man in seinem Unternehmen durchführt zu "bewerben". Einen besonderen Vorteil sehe ich in der Kommentarfunktion. Mit dieser haben die Leser und vielleicht auch Kunden die Möglichkeit, ihre Meinung zu schreiben über Erfahrungen mit dem Produkt zu berichten oder schlicht Wünsche zur Optimierung kund zu tun. All die Dinge kann das Unternehmen dann wieder als Marktforschung betrachten und hat über den Blog die Möglichkeit in einem, wenn auch zeitlich verzögerten Dialog mit dem Kunden oder potentiellen Kunden zu stehen.

    Kommentar von Bruce, 19. Mai 2010, 14:44 Uhr
  26. Hallo Bruce, irgendwie ist dein Kommentar hier ziemlich unpassend. Über Corporate Blogs haben wir an anderer Stelle ausführlich diskutiert. Hier z.B: http://conception-blog.com/besser-bloggen-im-dialog-mit-den-kunden/2009/ In diesem Artikel geht es ja um Strategien für Kontakpflege in Sozialen Netzwerken. Du bist somit als SEO-Fischer entlarvt worden.

    Kommentar von Sean Kollak, 25. Mai 2010, 09:25 Uhr

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