Die Wortschöpfungen im Web 2.0 tragen manchmal seltsame Blüten. So stellt sich der ahnungslose Marketing-Entscheider die Frage, was es mit dem langen Schwanz namens „The Long Tail“ auf sich hat. Wir zeigen es Ihnen.
Stellen Sie sich vor, Sie besitzen ein Geschäft in bester City-Lage. Die Mietpreise im Stadtkern sind hoch und so müssen Sie mit Lagerfläche haushalten. Welche Produkte würden Sie wohl anbieten? Die Frage ist nicht allzu schwer zu beantworten. Wahrscheinlich würden Sie auf einige wenige Verkaufsschlager zurückgreifen.
Stellen wir das ganze einmal grafisch dar:

Wenig Mainstream, viele Nischenprodukte
Jede Säule stellt den Umsatz für ein Produkt dar. Die einzelnen Produkte sind dabei absteigend nach Ihrem Umsatz sortiert. Da die Verkaufsfläche begrenzt ist, erscheint es sinnvoll, die Produkte A, B, C und D anzubieten. Haben Sie nur Platz für vier Produkte, werden diese vier am meisten Geld einbringen. Auf einen Ladenhüter wie beispielsweise Produkt Z zu setzen, wäre nicht besonders clever.
Hier könnte unser kleiner Leitfaden für frischgebackene Ladenbesitzer in City-Lage enden. Er wäre dann aber weder besonders aufregend, noch wäre der ominöse Long Tail geklärt.
Bringen wir nun die Enkelin des Schwagers Ihrer Großmutter väterlicherseits ins Spiel. Als internetaffiner Mensch entschließt sie sich, einen Online-Versandhandel zu eröffnen. Dabei kann sie auf laufkundschaftsreiche Stadtlage verzichten und sucht sich die ländlichste und damit billigste Lagerhalle, die sie in der Region finden kann. Da dadurch die Lagermöglichkeiten geradezu unbegrenzt sind und sie Ihnen nicht in Ihr Geschäft fuschen möchte, bietet sie all jene Produkte an, die in Ihrem City-Lädchen keinen Platz finden (Produkte E bis Z).
Vergleichen wir einmal die Umsätze beider Geschäfte:

Vergleich von Mainstream- und Nischensumme
Man erkennt, dass der Umsatz mit Nischenprodukte den Umsatz der Topseller übersteigt! Oder wie der Volksmund sagt: "Kleinvieh macht auch Mist".
Das Phänomen, dass Anbieter durch eine große Anzahl an Nischenprodukten einen hohen Gewinn machen können, formulierte Chris Anderson, Chefredakteur des Wired Magazines, 2004 als „Long Tail“. Ein Paradebeispiel stellt Amazon dar, die auch selten nachgefragte Bücher anbieten, die in stationären Läden zu hohe Kosten verursachen würden.
Um nun endlich das Geheimnis des langen Schwanzes zu lüften, skizzieren wir die oben aufgeführte Abbildung noch einmal leicht anders:

Long Tail
Der blaue Bereich stellt die Verkaufsschlager dar. Der rote Bereich zeigt die Nischenprodukte. Dieser Bereich, der in der Theorie übrigens unendlich lang sein kann, gleicht einem langen Schwanz. Voilá: Long Tail!
Der Effekt ist im Übrigen nicht auf den Verkauf über Online-Plattformen beschränkt. Überall dort, wo Produktionsmittel und Vetrieb der Allgemeinheit zur Verfügung stehen, lässt dich das Phänomen beobachten. Wikipedia nennt Spartensender im TV und Radio oder Internetportale wie Youtube als Beispiele, die Special-Interest-Nachfrage bedienen.
Auch im SEO-Bereich lässt sich die Long-Tail-Theorie anwenden. Die oben skizzierten Verkaufsschlager entsprechen den wenigen Suchbegriffen, nach denen häufig gesucht wird. Erscheint man hier in Suchmaschinen ganz oben, wird man sich vor Traffic kaum retten können. Allerdings ist die Konkurrenz hier enorm groß und gute SEO-Resultate lassen sich nur mit hohem Aufwand vorweisen. Gemäß Long Tail Theorie besteht eine Alternative darin, für viele, weniger häufig gesuchte Begriffe zu optimieren. Das Resultat ist in der Summe identisch. Positiver Nebeneffekt: Die Suchanfragen sind spezieller und damit qualitativ hochwertiger. Nutzt man diese Begriffe für Adwords-Kampagnen dürfte der CPC-Preis darüber hinaus auch deutlich geringer sein, als bei den Top-Suchbegriffen.
Ist von Long Tail die Rede, wird darauf hingewiesen, dass auch abseits von wenigen Mainstream-Krachern viele Nischenprodukte in der Summe ein hohes (wenn nicht sogar höheres) Ergebnis erzielen.
[...] sondern macht auch die zweite Ergebnisseite überflüssig. Suchmaschinenoptimierer, die auf den Long Tail und Suchbegriff-Kombinationen mit mehreren Wörtern gesetzt haben, dürfte diese Entwicklung [...]